Scabiosa columbaria 'Nana' (Tauben-Skabiose) mit Rapsweißling
Volle Sonne sollte man der Tauben-Skabiose gönnen und feuchte Standorte meiden, an denen sie vor allem im Winter faulen würde (Staunässegefahr!). Dafür kann man am Dünger sparen, zu viel bekommt Skabiosen nicht, und sie sind am langlebigsten und ausdauerndsten, wenn sie in magerem Boden stehen. Wenig Dünger ist vielleicht auch gesünder für die vielen Insekten, die sich auf den blauen bis violetten Scabiosa-Blüten tummeln, zumindest wenn man im Garten mit Kunstdünger arbeitet.
Etwas lehmig darf der Boden für Scabiosa columbaria gern sein, ist zu lesen. Da muss ich einhaken: Er darf sogar ziemlich lehmig sein, sofern ein guter Wasserabzug gewährleistet ist. Kalkhaltiges Substrat wird zwar gewünscht, den neutralen bis ganz leicht sauren Boden in meinem Garten toleriert sie jedoch ebenfalls (ohne große Einbußen, wie ich beobachte). Ein passender Standort für die Tauben-Skabiose dürfte sich unter diesen Umständen in nahezu jedem Garten finden lassen.
Wer bis hierher nicht von diesem bezaubernden, pflegeleichten Geschöpf überzeugt ist – ich kann noch eins draufsetzen: Krankheiten und Schädlinge? Bei mir im Garten noch nie aufgetreten und mir zudem auch nicht bekannt. Weder die berüchtigten Blattläuse noch die gefürchteten Schnecken haben bei mir je die Tauben-Skabiose für sich entdeckt!
Jetzt noch ein kurzer etymologischer Ausflug, denn mich hat es schon interessiert, warum die Tauben-Skabiose Tauben-Skabiose heißt. Die Herleitung des deutschen Namens ist banal: lateinisch columbarius = Tauben- (lat. columba ist die Taube) und bezogen hat das Carl von Linné (schwedischer Naturwissenschaftler, Erfinder der binären botanischen Pflanzennamen, 1707-1778), der "botanische Namensgeber" der Scabiosa columbaria, auf die taubenblauen Blüten dieser Skabiose. Na ja, mit viel Wohlwollen …
Die Sorte 'Nana' verhält sich in ihren Ansprüchen wie die Art, Scabiosa columbaria, hat der gegenüber dank ihrer kompakten, niedrige Form nur den Vorteil, dass selbst ein Gewitterregen ihre Blütenstängel nicht so schnell umhaut. Im Steingarten wirkt der kleine "Garten-Zwerg" übrigens besonders reizvoll, und es steht ihm schon gut, wenn er in Miniatur-Ensembles aus ebenfalls niedrigen Stauden eingebettet ist; dann kommt er am besten zur Geltung.
Scabiosa columbaria (Tauben-Skabiose) mit Beilfleck-Widderchen
Artemisia schmidtiana ('Nana') (Zwerg- bzw. Polster-Silberraute, mitunter Engelshaar genannt), Aurinia saxatilis (Felsen-Steinkresse), Campanula rotundifolia (Rundblättrige Glockenblume), Sedum-Arten wie das cyaneum (Rosenteppich-Fettblatt), das ewersii (Himalaja-Fettblatt) oder das pachyclados (Dichtverzweigte Fetthenne) zum Beispiel und natürlich niedrige Ziergräser, allen voran das filigrane Moskito-Gras (Bouteloua gracilis), empfehlen sich da. Wenn die Nachbarschaft ein bisschen stattlicher sein darf, kommen die Sorten von Salvia nemorosa (Steppen-Salbei, Hain-Salbei) ins Spiel, Baptisia australis var. minor (die niedrige Spielart der Indigolupine) oder auch Eryngium bourgatii (Pyrenäendistel, Spanischer Mannstreu). Solange sie auf einigermaßen ähnliche Standortansprüche achten, sind Ihrer Fantasie hier keine Grenzen gesetzt.
Für Fans von naturnahen Pflanzungen
Naturnaher Garten:
Ein Garten, der weitgehend unter Verwendung von einheimischen Pflanzen angelegt ist.
: Sofern man sie lässt, sät sich die Tauben-Skabiose im Garten reichlich aus, und der Samen keimt willig. Das ist vermutlich der Grund, warum die einheimische Staude noch nicht als gefährdet eingestuft ist und nicht auf der Roten Liste steht (Stand Februar 2025). Erfreulich, sehr erfreulich, obwohl ich Scabiosa columbaria in der einheimischen Natur noch nie begegnet bin.
Scabiosa columbaria 'Nana' (Tauben-Skabiose) mit Mistbiene
Selbstverständlich gibt es Situationen und Gärten, in denen Selbstaussaat nicht erwünscht oder unpassend ist. Die richtige Pflege ist in solchen Fällen der Rückschnitt nach der Blüte. Schneiden Sie jedoch nicht bis ins Laub, sondern nur die Blütenstiele. Die Tauben-Skabiose treibt dann neue Blüten. Statt das Blüh-Ende abzuwarten und sie dann komplett zurückzuschneiden, kann man Verblühtes während der Blüte nach und nach rausschneiden. Ein solches Ausputzen ist zwar etwas mühsam, hat jedoch den Vorteil, dass die Skabiose ohne Pause neue Blüten bildet, und das bis zum Frost. Was immer Sie also als Pflanzpartner für diese Scabiosa wählen, sofern sie sich die Mühe des Ausputzens machen – und diese Pflege lohnt sich wirklich –, gilt es, von Juni bis in den Herbst auf passende (harmonierende oder kontrastierende) Blütenfarben in der Nachbarschaft zu achten!
Scabiosa columbaria 'Nana' (Tauben-Skabiose) mit Männchen der Wiesen-Hummel
Die Tauben-Skabiose ist – wie man so schön sagt – eine vorzügliche Bienenweide. Tatsächlich sammeln neben Honigbienen sieben Wildbienen-Arten an ihr nicht nur Nektar (zur Eigenversorgung), sondern auch Pollen als Proviant für die Larven in den Nestern (nur die Weibchen tun das): Andrena hattorfiana (Knautien-Sandbiene), Andrena marginata (auch eine Sandbiene), Dasypoda argentata (Skabiosen-Hosenbiene), Halictus scabiosae (Gelbbindinge Furchenbiene), Halictus sexcinctus (Weißbindige Furchenbiene), Lasioglossum albipes (Weißbeinige Schmalbiene) sowie Osmia mustellina (eine Mauerbienen-Art). Die beiden Sandbienen-Arten sowie die Skabiosen-Hosenbiene sammeln den Pollen dabei ausschließlich an Pflanzen aus der Familie der Dipsacaceae, zu der auch die Scabiosa columbaria gehört. Hummeln sind in dieser Aufzählung nicht enthalten, denn die sammeln zwar nicht überall, aber schon fast überall. Mit der Tauben-Skabiose im Garten tut man deshalb nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch den Wildbienen.
Lasioglossum albipes (Männchen), hier auf Schweizer Minze
Doch wo und wann fliegen diese Wildbienen-Arten überhaupt? Und wo und wie nisten sie? Wer für Antworten auf diese Fragen gerade keine Zeit hat, kann auch dieses Kapitel überspringen!
Die Chance, Andrena marginata (Flugzeit Anfang August bis Anfang September), Dasypoda argentata (Flugzeit Juni bis Anfang September) oder Osmia mustellina (Flugzeit Mitte Mai bis Anfang Juli) zu begegnen (und dann noch zu erkennen, dass sie es ist), geht gegen null; zu selten sind diese drei Bienen-Arten mittlerweile geworden.
Gelbbindige Furchenbiene (Weibchen) an ihrem Erdnest
Die Anfang der 1990er Jahre noch auf klimatisch begünstigte Gebiete im Südwesten Deutschlands beschränkte Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae) hingegen ist auf dem Vormarsch und hat das Norddeutsche Tiefland sowie die östlichen Mittelgebirge erreicht. Diese Bienenart nistet in selbst gegrabenen Löchern in spärlich bewachsener Erde und ist auch in Gärten anzutreffen (überwinterte Weibchen ab Ende April, Männchen ab Mitte Juli). Seit ein paar Jahren treibt sich die Gelbbindige Furchenbiene regelmäßig bei mir auf dem Grundstück herum und 2019 habe ich sie beim Nestbau in meinem Garten beobachten können. Schön! Neben Dipsacaceae (Kardengewächse) sammelt Halictus scabiosae als Larvenproviant nachgewiesenermaßen noch Pollen von Pflanzen aus den Familien Asteraceae (Korbblütler), Campanulaceae (Glockenblumengewächse), Convulvulaceae (Windengewächse) und Tamaricaceae (Tamariskengewächse).
Häufig(er) sind auch die übrigen drei Wildbienen-Arten anzutreffen:
Wer zusätzlich zur Tauben-Skabiose noch Centaurea scabiosa (Skabiosen-Flockenblume) in nicht zu geringer Zahl im Garten kultiviert, macht den beiden Furchenbienen-Arten (Halictus scabiosae und sexcinctus) sowie der Schmalbiene (Lasioglossum albipes) eine Freude. Weitere Informationen zur Lebensweise der Wildbienen und zum bienenfreundlichen Garten erhalten Sie auf meiner Seite Wildbienen im Stauden-Garten.
Literatur: Paul Westrich, Die Wildbienen Deutschlands, Ulmer-Verlag Stuttgart, 2. Auflage 2019, ISBN 978-3-8186-0123-2
Gewöhnlicher Bienenkäfer auf Scabiosa columbaria 'Nana' (Tauben-Skabiose)
Nicht nur die Wildbienen sind übrigens auf Skabiosen zu finden, sondern auch deren Gegenspieler, unter anderem die Bienenkäfer. Nahrungskonkurrenz ist hier allerdings nicht gemeint, denn die erwachsenen Bienenkäfer (Trichodes alvearius und apiarius) naschen den Bienen nur wenig Pollen weg. Die beiden Trichodes haben es eher auf die winzig kleinen, schwarzen Käferchen abgesehen, die sich regelmäßig auf den Skabiosen-Blüten tummeln (auf dem Foto weiter oben mit der Mistbiene – Eristalis tenax, eine Schwebfliegen-Art – zu sehen). Gefährlich werden den Wildbienen die Bienenkäfer-Larven, denn die dringen in die Wildbienen-Nester ein und fressen dort die Pollenvorräte oder sogar die Bienen-Brut selbst.
Scabiosa columbaria 'Nana' (Tauben-Skabiose) im Vorfrühling
Scabiosa columbaria ist zwar winterhart, in sehr rauen, exponierten Lagen, in denen zudem keine dauerhafte schützende Schneedecke zu erwarten ist, tun sie ihr im Herbst dennoch Gutes, wenn sie den Horst leicht mit ein paar locker aufgelegten Fichten- oder Tannenzweigen (Zweigenden fest in die Erde stecken, damit sie der Wind nicht fortträgt) abdecken. Das Laub der Tauben-Skabiose ist nämlich immergrün, und deshalb leiden die hübschen Blattpolster ziemlich unter Kahlfrösten: Nachts frieren sie ein, und wenn tags darauf die Sonne scheint, verbrennen die Blätter, weil das Wasser für die in Gang kommende Fotosynthese noch immer gefroren ist.
Scabiosa columbaria 'Nana' (Tauben-Skabiose) – Frühjahrsantrieb
Ist es sinnvoll, die Pflanzen auch mit trockenem Laub abzudecken, wie gern geraten wird? Nein, denn immergrüne Pflanzen – wie die Tauben-Skabiose – brauchen selbst im Winter Licht und Luft für ihren Stoffwechsel. Im Gegenteil: Herabgefallenes Laub von Bäumen und Sträuchern sollte im Herbst möglichst zügig von Immergrünen entfernt werden, weil es eine zu dichte Abdeckung bildet, unter der die Pflanzen ersticken können.
Im Frühling braucht man zur Kosmetik jedenfalls nur die Zweige zu entfernen und mit den Fingern die Blattpolster etwas auszukämmen. Und auf geht's in die neue Gartensaison mit Dauer-Blüten-Feuerwerk.
Und weil man von der Tauben-Skabiose nie genug haben kann und immer wieder mal Nachschub braucht, hier noch die (simplen) Vermehrungsmethoden:
Scabiosa columbaria 'Nana' (Tauben-Skabiose) – Samen
Aussaat ist die bequemste Art, Scabiosa columbaria zu vermehren, zumal wenn man das gleich den Pflanzen im Garten überlässt. Alternativ kann man sie über Stecklinge vermehren, das funktioniert allerdings nur im Frühjahr. Da ist es einfacher, größere und ältere Horste zu teilen. Teilung (und ganz allgemein das Verpflanzen der Tauben-Skabiose) ist wie die Stecklingsvermehrung eine Frühlingsarbeit. Die frisch gewonnenen Teilstücke werden entweder gleich am neuen Standort eingepflanzt und ordentlich angegossen oder zunächst in kleine Blumentöpfe mit unkrautfreier Erde gesetzt. Die vorübergehende Weiterkultur in Töpfen hat den Vorteil, dass die Pflanzen in kleinere Teilstücke zerlegt werden können, die im Garten gleich an Ort und Stelle nicht die besten Überlebenschancen hätten. Diese Töpfchen für ein paar Wochen im Garten an einem geschützten Platz aufstellen, nicht ganz austrocknen lassen, aber auch nicht ersäufen und beim Wachsen zusehen.
Wuchshöhe: | 30-60 cm |
Blütenfarbe: | blau bis violettblau |
Blütezeit: | Juni, Juli, August, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig-halbschattig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | Schnittpflanze |
Hinweis: | immergrün; Staunässe vermeiden; kalkhaltiger Boden; Pollenpflanze für Wildbienen |