Einheimischen Pflanzen eilt der Ruf voraus, besonders wertvoll für das Ökosystem zu sein. Nun, das ist mir doch etwas zu einfach gedacht. Was die Kultur einheimischer Pflanzen in unseren Gärten aber so wichtig macht, das ist die Tatsache, dass wir ihre natürlichen Bestände kontinuierlich und konsequent zurückdrängen und damit gefährden. Diese einheimischen Salbei-Arten sollten deshalb in unseren Gärten nicht fehlen: Salvia glutinosa (Klebriger Salbei oder Kleb-Salbei), Salvia nemorosa und Sorten (Steppen- oder Hain-Salbei) sowie Salvia pratensis (Wiesen-Salbei). Wir stellen sie Ihnen alphabetisch nach ihren wissenschaftlichen Namen vor.
Unser einheimischer Klebriger Salbei ist in Mitteleuropa die einzige Art, die gelb blüht. Er ist robust und auch im Garten sehr langlebig. Mit seiner stattlichen Größe, den vielen Einzelblüten sowie der langen Blütezeit ist er in Wildstaudenpflanzungen
Wildstaudenpflanzungen:
Pflanzungen, die unter Verwendung von einheimischen und nicht einheimischen Pflanzen – keine Züchtungen – weitgehend sich selbst überlassen werden; der Gärtner greift nur gelegentlich ordnend ein. Eine Wildstauden-Pflanzung kann sich über den ganzen Garten erstrecken oder auf einzelne Bereiche beschränken.
gut aufgehoben. Dort fühlt sich Salvia glutinosa umgeben von Eurybia divaricata (Weiße Wald-Aster) oder Symphyotrichum laevae (Glatte Aster, Kahle Aster), Campanula latifolia (Breitblättrige Wald-Glockenblume), Alchemilla mollis (Weicher Frauenmantel), aber auch Aralia californica (Kalifornische Aralie) wohl.
Salvia glutinosa (Klebriger Salbei) – Austrieb
Salvia glutinosa ist unheimlich tolerant, was den Standort anbelangt: Halbschattige bis schattige Plätze in stickstoffreichem, feuchtem Boden gehören zwar zu ihren Favoriten, doch selbst in vollsonnigen Lagen und mageren, trockenen Böden gibt sie so schnell nicht auf. So flexibel und anspruchslos zeigen sich nicht viele Stauden.
Ich kann ihn noch so über den grünen Klee loben – der Klebrige Salbei wird nie zu einem begehrten Garten-Salbei werden: Zu struppig ist sein Habitus, zu unscheinbar ist seine Blüte, mag sie noch so lang dauern. Früher waren die Geschmäcker anders und die Auswahl noch nicht so groß, denn bereits im Hortus Eystettensis ("Der Garten von Eichstätt" – gemeint ist der Klostergarten) von 1612/
Spätestens im Herbst, wenn seine verholzten Triebe abgeschnitten werden, weiß man, warum der Kleb-Salbei Kleb-Salbei heißt: Die verblühten Blüten bleiben überall an der Kleidung hängen, besonders gut an gröberem Gewebe oder Wolle. Abschütteln hilft da wenig, die meisten müssen abgezupft werden.
Vor Selbstaussaat braucht man sich bei diesem Salbei nicht zu fürchten. Bei uns geht zwar – zum Glück und zum Art-Erhalt im Garten – immer wieder mal ein Klebriger Salbei auf, eine Sämlingsschwemme gibt es jedoch nicht.
Wuchshöhe: | 60-100 cm |
Blütenfarbe: | gelb |
Blütezeit: | Juli, August, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig-halbschattig |
Bodenverhältnisse: | frisch |
Verwendung: | |
Hinweis: | einheimische Staude; alle Pflanzenteile leicht klebrig; Pollenpflanze für Wildbienen |
Rapsweißling auf Salvia nemorosa 'Mainacht'(Steppen-Salbei, Hain-Salbei)
Der Steppen-Salbei kommt über ganz Deutschland verteilt häufig vor, so häufig, dass er weder als gefährdet gilt noch besonders geschützt ist. Allerdings: In Baden-Württemberg sieht die Sache anders aus, da sind die Bestände des Steppen-Salbeis bereits stark gefährdet, in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sogar vom Aussterben bedroht (Stand Januar 2025). Noch braucht man allerdings gar nicht aus dem Auto auszusteigen, um ihn zu entdecken, im Vorbeifahren sieht man öfter mal Salvia nemorosa am Straßenrand oder in Straßengräben.
Salvia nemorosa 'Adrian' (Steppen-Salbei, Hain-Salbei)
Die reine Art Salvia nemorosa ist eine eher unscheinbare Gestalt. In den Gärtnereien sind deshalb nur Züchtungen im Angebot, weil sie mit größeren Blüten, intensiveren Blütenfarben und kompakterem Wuchs als die Art auf sich aufmerksam machen. Apropos kompakter Wuchs: Um den zu behalten, sollten Sie darauf achten, dass Salvia nemorosa nicht zu viel Stickstoff abbekommt. Der Hain-Salbei schätzt den Boden eher mager denn fett, dazu sehr kalkhaltig. Bekommen sie dann noch ein warmes, sonniges bis halbschattiges Plätzchen in einem Boden, der zwar trocken ist, jedoch während der Vegetationszeit möglichst nie komplett austrocknet, sind praktisch alle Nemorosa-Sorten zufrieden. Und sind sie's, sind's auch die Insekten, denn Salvia nemorosa erfreut sich bei Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten großer Beliebtheit als Nektarpflanze.
Unter anderem die Wildbienen-Arten Andrena coitana (eine Sandbiene) und Lasioglossum nitidulum (Glänzende Schmalbiene) sammeln zudem den Pollen von Salvia nemorosa, um ihn in ihren Nestern als Larvennahrung zu deponieren. Der Hain-Salbei ist damit also nicht nur ein Augenschmaus für uns Menschen, sondern auch ein Gaumenschmaus für den Wildbienen-Nachwuchs. Über Wildbienen allgemein und deren Lebensweise erfahren Sie mehr auf meiner Seite Wildbienen im Stauden-Garten.
Salvia nemorosa 'Ostfriesland' (Steppen-Salbei) mit Artemisia alba 'Canescens' (Kampfer-Wermut)
Nach der Hauptblüte im Juni/
Stecklingsvermehrung kann man machen, allerdings sind die Resultate je nach Sorte sehr unterschiedlich von "bewurzelt kaum" (S. nemorosa 'Mainacht') bis "bewurzelt top" (S. nemorosa 'Ostfriesland'). Besser ist es, gut eingewachsene Pflanzen per Teilung (zum Austrieb ab Mitte April) zu vermehren. Wenigstens drei bis fünf Triebe sollten an jedem Teilstück vorhanden sein.
So selten in den Gärtnereien die Wildform, also die reine Art von Salvia nemorosa, angeboten wird, so häufig sind Sorten in den Sortimenten zu finden. Die Auswahl ist zwar noch überschaubar, dennoch steht man vor der Qual der Wahl, wenn man nur für ein oder zwei Pflanzen im Garten Platz hat. Deshalb hier eine kleine Entscheidungshilfe, die die übrigen Sorten jedoch keineswegs als minderwertiger degradieren soll. Auch ich hab' halt nicht für alle Platz im Garten.
Salvia nemorosa 'Adrian' (Steppen-Salbei, Hain-Salbei) – Austrieb
Der weiß blühende 'Adrian' ist ein besonders Zierlicher. Laub, Blüten sowie Gesamthöhe – er wirkt in allem etwas kleiner und feiner als andere Sorten der Salvia nemorosa. In Blütenreichtum und Blühdauer ist er ihnen jedoch überlegen; er blüht praktisch durch vom Frühsommer bis zum Herbst – ohne dazwischen zurückgeschnitten zu werden.
Da soll noch einmal einer sagen, die Kleinen hätten nicht viel zu bieten!
Wuchshöhe: | 20-55 cm |
Blütenfarbe: | weiß |
Blütezeit: | Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | |
Hinweis: | kalkreicher Boden; Pollenlieferant für Wildbienen |
Salvia nemorosa 'Caradonna' (Steppen-Salbei, Hain-Salbei) – Austrieb
Die dunklen Stängel in Verbindung mit den dunkel (purpur-)
Beim Rückschnitt der alten Blütenstängel im Frühling ist es ratsam, ein bisschen aufzupassen. Allzu leicht erwischt man mit der Schere den jungen, frischen Austrieb, der wegen seiner violettbraunen Färbung gar nicht so leicht vom vertrockneten Vorjahreslaub zu unterscheiden ist.
Wuchshöhe: | 50-60 cm |
Blütenfarbe: | dunkelviolett |
Blütezeit: | Juni, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | |
Hinweis: | kalkreicher Boden; Nachblüte nach Rückschnitt; Pollenlieferant für Wildbienen |
Salvia nemorosa 'Mainacht' (Steppen-Salbei, Hain-Salbei) – Austrieb
Eine Sorte von Karl Foerster mit großen, mitternachtsblauen – fast schwarzblauen – Blüten, die Sie begeistern werden. Besonders intensiv wirken sie, wenn sie von graulaubigen Stauden oder Gräsern umgeben sind. Der kräftige Farbton bedeutet aber auch, dass man bei der Zusammenstellung der Blütenfarben im Beet aufpassen muss: Eine Kombination mit einem klaren Blauton – wie ihn zum Beispiel die Veronica teucrium (Großer Ehrenpreis) hat – ist undenkbar.
Die 'Mainacht' sollte nach der ersten Blüte unbedingt und zügig zurückgeschnitten werden, sonst sieht sie recht ungepflegt aus und es dauert zu lang bis zur zweiten Blüte, wenn sie denn überhaupt noch kommt.
Wuchshöhe: | 20-60 cm |
Blütenfarbe: | dunkel blauviolett |
Blütezeit: | Mai, Juni, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | |
Hinweis: | kalkreicher Boden; Nachblüte nach Rückschnitt; Pollenlieferant für Wildbienen |
Wüchsiger und blühfreudiger (fast unermüdlich) als die Sorte 'Mainacht' ist die Sorte 'Ostfriesland'. Ihre Blütenfarbe ist heller, geht jedoch auch eher ins Blau, denn ins Violett. Das kommt immer aufs Wetter/
Wuchshöhe: | 40-50 cm |
Blütenfarbe: | blauviolett |
Blütezeit: | Juni, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | |
Hinweis: | kalkreicher Boden; Nachblüte nach Rückschnitt; Pollenlieferant für Wildbienen |
In jeder Wiesenblumen-Mischung ist Salvia pratensis wie selbstverständlich zu finden, aber im Staudengarten? Das kommt jetzt erst so langsam mit dem neu erwachten Interesse an der (schwindenden) Insektenwelt.
Bloß für die Insekten (mindestens 20 Wildbienen-Arten verproviantieren ihre Larven mit Pollen von Salvia pratensis) braucht man den Wiesen-Salbei allerdings auch nicht. Die fliegen auf andere Salbei-Arten wie den Hain- bzw. Steppen-Salbei (Salvia nemorosa) zum Beispiel genauso, und diese Arten machen zudem im Beet mehr her, blühen länger und üppiger. Geht es um die Blütenfarbe, dieses intensive, leuchtende, so gut wie violettfreie Blau (Achtung: das hängt von den Lichtverhältnissen ab!), gibt es ebenfalls ausdauerndere und voller blühende Alternativen wie den Siebenbürgen-Salbei (Salvia transsylvanica).
Trotzdem gehört zumindest in Wildstauden-Gärten
Wildstaudenpflanzungen:
Pflanzungen, die unter Verwendung von einheimischen und nicht einheimischen Pflanzen – keine Züchtungen – weitgehend sich selbst überlassen werden; der Gärtner greift nur gelegentlich ordnend ein. Eine Wildstaudenpflanzung kann sich über den ganzen Garten erstrecken oder auf einzelne Bereiche beschränken.
, Naturgärten
Naturgarten:
Ein Garten, der ausschließlich mit einheimischen Pflanzen angelegt ist.
sowie naturnahen Gärten
Naturnaher Garten:
Ein Garten, der weitgehend unter Verwendung von einheimischen Pflanzen angelegt ist.
unbedingt auch der Wiesen-Salbei, der schon seit Hunderten von Jahren in Mitteleuropa einheimisch ist (Ursprung: Mittelmeergebiet). Kalkhaltiger Boden sagt ihm ebenso zu wie ein eher geringes Nährstoffangebot (speziell an Stickstoff). Dafür volle Sonne und wenig Wasser (Tiefwurzler!). Allerdings schadet dem Wiesen-Salbei ein halbschattiger Standort nicht, was es erheblich vereinfacht, irgendwo im Garten ein Plätzchen für ihn zu finden.
Es muss keine Wildblumen-Wiese sein, Salvia pratensis passt auch an sonnige Gehölzränder, zusammen mit Digitalis-Arten (Fingerhut) zum Beispiel. In Staudenbeeten setzen vereinzelte Exemplare fröhlich-frische Akzente und empfehlen sich als Blühpartner zum Stauden-Lein (Linum perenne), zu dessen Blütenblau es gar nicht einfach ist, einen passenden Blauton zu finden. (Achtung: Je nach Licht wirkt das Blau der Wiesen-Salbei-Blüten höchst unterschiedlich.)
Alles in allem: wertvoll, aber nicht unersetzlich, dankbar und pflegeleicht, aber kein Tausendsassa. Ein Rückschnitt nach der Blüte ist überall dort empfehlenswert, wo seine Selbstaussaat unpassend oder unerwünscht ist.
Wuchshöhe: | 30-65 cm |
Blütenfarbe: | blauviolett |
Blütezeit: | Mai, Juni, Juli |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken |
Verwendung: | |
Hinweis: | einheimische Pflanze für kalkhaltigen Boden; Pollenquelle für Wildbienen |
Weitere Salbei-Seiten auf gartenfreud-gartenleid:
In Deutschland fremdländische Salbei-Arten für den Garten
Salbei für Küche und Hausapotheke
Salvia – Salbei
(Gesamtseite mit einheimischen und fremdländischen Arten sowie Salvia-Arten für Küche und Hausapotheke – elf Arten)