Unsere einheimische Fauna schert sich oft wenig, ob ihre Nahrung von einheimischen oder fremdländischen Pflanzen stammt, sofern die ansonsten "in ihr Beuteschema" passen. Es ist deshalb keine Schande, (auch) fremdländische Arten in unseren Gärten zu kultivieren! Gut für unsere Gärten geeignet sind (alphabetisch nach ihren wissenschaftlichen Namen) Salvia miltiorrhiza (Rotwurzel-Salbei), Salvia nemorosa subsp. pseudosylvestris (Hoher Steppen-Salbei), Salvia pachyphylla (Kalifornischer Salbei, Mojave-Salbei), Salvia transsylvanica (Siebenbürgen-Salbei) und Salvia verticillata (Quirl-Salbei), die wir Ihnen hier vorstellen.
Die Wurzeln von Salvia miltiorrhiza werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) verwendet und unter anderem bei Herzerkrankungen und Stoffwechselstörungen eingesetzt. Doch auch ohne auf die Heilwirkung des Rotwurzel-Salbeis zu spekulieren, hat er einen beträchtlichen Wert als Gartenpflanze. Seine intensiv blauvioletten Blüten sind für sich schon eine Zierde, zusammen mit dem sattgrünen Laub werden sie zum Hingucker.
Die wichtigste Voraussetzung für sein langes Gartenleben: durchlässiger Boden ohne (Winter-)
Mit 60‑90 cm Höhe liegt Salvia miltiorrhiza so im Mittelfeld der Salvien und nimmt sich nicht ganz so dominant aus wie zum Beispiel Salvia sclarea. Der Rotwurzel-Salbei wäre aber kein Salbei, ginge er nicht ordentlich in die Breite; das muss man natürlich einkalkulieren. Seine lange Blütezeit bis in den Herbst verschiebt den Rückschnitt der Triebe auf das Frühjahr, denn Salvia miltiorrhiza sät sich – zumindest bei mir – nicht selbst aus.
Salvia miltiorrhiza (Chinesischer Salbei, Rotwurzel-Salbei) – Austrieb
Was man aber machen kann, um ihn zu vermehren: Nach der Reife die Samen abnehmen und im Spätwinter im Haus aussäen. Die Samen dabei in den Aussaatgefäßen nicht abdecken (Lichtkeimer!) und die Gefäße bei ca. 20‑25 °C aufstellen. Die Aussaaterde sollte unkrautsamenfrei sein, eine Abdeckung mit einer Glasscheibe oder transparenten Folie begünstigt das Keimen. Frisches Saatgut keimt recht gut, wenn auch nicht immer gleichmäßig und oft über einen längeren Zeitraum. Es kann also sein, dass noch immer Nachzügler aufgehen, wenn die ersten Pflänzchen längst pikiert (herausgenommen und getopft) sind. Nicht so schnell wegwerfen also.
Wuchshöhe: | 45-90 cm |
Blütenfarbe: | leuchtend blauviolett |
Blütezeit: | Juni, Juli, August, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | |
Hinweis: | Heilpflanze |
Mit seinem Farbspiel aus purpurrosa Hochblättern und dunkelvioletten Blütenblättern ist der Steppen-Salbei eine kleine Attraktion. Es fällt deshalb nicht leicht, die Blütentriebe bereits abzuschneiden, wenn sie noch nicht ganz verblüht sind, ist aber durchaus sinnvoll: Umso kräftiger treiben die Pflanzen durch und bilden rasch neue Blütentriebe, an denen sie dann ungestört bis in den Spätsommer hinein blühen dürfen.
Diese Unterart von Salvia nemorosa (die üppigen Blütenstände lassen unschwer die Verwandtschaft mit Salvia nemorosa erkennen) aus Ost-Europa und Russland ist nicht ganz so wüchsig und ausdauernd wie die Sorten von Salvia nemorosa, zumindest nicht nach meiner Erfahrung. Das kann natürlich am Boden liegen, am Wasser oder an sonst was. Gut macht sie sich als auffälliger und kompakt wachsender Lückenfüller in neu angelegten Beeten, bis sich langsamer wachsende Arten zu ihrer vollen Schönheit entwickelt haben. Ziergräser sind besonders aparte Nachbarn: Melica ciliata (Wimper-Perlgras) oder Nassella tenuissima (Zartes bzw. Mexikanisches Federgras) als niedrige Begleiter beispielsweise und Pennisetum alopecuroides (Lampenputzergras) oder Stipa calamagrostis (Silberährengras) als höhere.
Länger als ein paar Jahre hatte ich Salvia nemorosa subsp. pseudosylvestris nicht und in diesem Fall muss ich sagen: Leider hat sie sich nicht ausgesät (und ist gekeimt). Von manchen Pflanzen sollte man eben immer einen kleinen – möglichst frischen – Samenvorrat im Haus haben.
Salbei ist Salbei mag sich so manches Insekt denken, und es pfeift darauf, ob es sich um eine einheimische oder fremdländische Art handelt. Der Große Hain-Salbei ist daher speziell bei Wildbienen fast so beliebt wie seine einheimische Schwester.
Wuchshöhe: | 60 cm |
Blütenfarbe: | dunkelviolett, purpurrosa Hochblätter |
Blütezeit: | Juni, Juli, August, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | Dachbegrünung |
Hinweis: |
Wer Salvia glutinosa kennt und als ziemlich klebrig erachtet, sollte mal in eine Pflanze des Mojave-Salbeis greifen. Die klebt nicht nur, die pappt so richtig. Vielleicht ist das ja ihr Versuch, sich gegen allerlei Einflüsse zu wehren, denn Salvia pachyphylla ist ein rechtes Sensibelchen. Das mit dem "Wehren" gelingt ihr nicht ganz, denn sie ist und bleibt empfindlich, vor allem im Hinblick auf Kahlfröste, weil sie immergrün ist. (Kahlfrost ist Frost ohne schützende Schneedecke. Scheint nach frostigen Nächten die Sonne, kommt in den Pflanzen die Fotosynthese in Gang, es fehlt aber das dafür erforderliche Wasser – das ist noch gefroren; die Blätter immergrüner Pflanzen verbrennen deshalb.)
Salvia pachyphylla (Mojave-Salbei, Kalifornischer Salbei) – Antrieb im Frühjahr
Ursprünglich stammt der kleine Strauch aus Mexiko und Kalifornien. Dort wächst er in höheren Lagen bis über 3.000 m an Felshängen. Logisch, dass er sich da auf gerade mal 320 m Höhe (wie bei mir) in einem normalen Beet nicht sonderlich wohlfühlt. Ein vollsonniger Standort mit gutem Wasserabzug (damit es nicht zu Staunässe kommt) im Steingarten ist daher das Mindeste, was wir ihm in unseren Breiten bieten müssen. Trotzdem, bei der Kombination Kahlfrost und immergrüne Pflanzen nützt die beste Pflege nichts. Die einzige Möglichkeit: Diese Pflanzen rundum vor Wintersonnenstrahlen schützen. Das geht zum Beispiel mit Fichtenzweigen, die genau dann ihre Nadeln verlieren, wenn es wärmer wird und die Pflanzen keinen Schutz mehr brauchen.
Lohnt es sich, mit Salvia pachyphylla solchen Aufwand zu treiben? Schon, denn optisch ist sie ein Highlight: Ihr graues, aromatisches Laub sowie die wunderbar lavendelblauen Blütenblätter harmonieren großartig, die purpurrosa Hochblätter sind das i-Tüpfelchen. Deshalb sollten Sie unbedingt darauf achten, dass der Kalifornische Salbei am Standort richtig zur Geltung kommt und nicht von seinen Pflanznachbarn verdeckt wird; schon gar nicht während seiner Blütezeit.
Wuchshöhe: | 60 cm |
Blütenfarbe: | lavendelblau |
Blütezeit: | Juli, August, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken-frisch |
Verwendung: | |
Hinweis: | Liebhaberstaude; ganze Pflanze klebrig |
Wächst recht locker, ist ein unglaublich vielseitiger Pflanzpartner und passt hervorragend in Wildstaudenpflanzungen
Wildstaudenpflanzungen:
Pflanzungen, die unter Verwendung von einheimischen und nicht einheimischen Pflanzen – keine Züchtungen – weitgehend sich selbst überlassen werden; der Gärtner greift nur gelegentlich ordnend ein. Eine Wildstauden-Pflanzung kann sich über den ganzen Garten erstrecken oder auf einzelne Bereiche beschränken.
. Das ist die Kurzbeschreibung des Siebenbürgen-Salbeis für den eiligen Leser.
Salvia transsylvanica ist (wie andere Salbei-Arten ebenfalls) ein Insektenmagnet und produziert dementsprechend viele Samen, die im Garten ziemlich zuverlässig keimen. Bei einem Standort im "normalen" Staudenbeet ist es deshalb ratsam, Verblühtes zeitnah abzuschneiden, damit der Siebenbürgen-Salbei nicht zum Samenunkraut wird. Ein bisschen sollten Sie ihn allerdings gewähren lassen, weil er eine der Salbei-Arten ist, die sich gern mit anderen Arten kreuzen. Wenn etwa eine Salvia nemorosa in seiner Nähe steht, tauchen immer wieder mal Pflanzen auf, die im Wuchs einer Salvia nemorosa ähneln, durch ihre großen Blätter sowie die größeren Blüten jedoch unschwer den Einfluss von Salvia transsylvanica erkennen lassen.
Salvia transsylvanica (Siebenbürgen-Salbei) – Austrieb
Interessant ist bei Salvia transsylvanica die Blütenfarbe: blau (seltener violett). Blau blühende Stauden in der näheren Umgebung sind also mit Vorsicht zu genießen, denn nicht jedes Blau passt zu jedem. Ein schönes Gesamtbild ergibt an trockenen, sonnigen Ideal-Standorten ein (nicht blaues) Arrangement mit Verbascum chaixii 'Album' (weiße Chaix′ oder Französische Königskerze), Anaphalis margaritacea oder triplinervis (Großblütiges Perlkörbchen und Himalaja-Perlkörbchen) und locker eingestreuten Graslilien (Anthericum ramosum). Sehr hübsch und wildromantisch ist die Kombination Siebenbürgen-Salbei und Prachtkerze (Gaura lindheimeri).
Garten-Wollbiene (Weibchen) im Anflug auf Salvia transsylvanica (Siebenbürgen-Salbei)
Erwähnenswert ist unbedingt, dass diese Art extrem lang blüht – den ganzen Sommer über, ja, eigentlich bis in den Herbst. Sie bringt zudem erstaunlich große Blüten hervor, und das spricht die Brummer unter den Wildbienen an: Hummeln (Bombus), die Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum) und die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea), die sonst bevorzugt auf der großblütigen Salvia sclarea (Muskateller-Salbei) zu beobachten sind.
Wuchshöhe: | 65-100 cm |
Blütenfarbe: | blauviolett |
Blütezeit: | Juni, Juli, August, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig |
Bodenverhältnisse: | trocken |
Verwendung: | |
Hinweis: |
Wer unerwünschte Beikräuter (das Unkraut) unterdrückt, ist den meisten Gartlern willkommen. Salvia verticillata schafft das, sie wächst so stark. Der Nachteil ist, dass es nur Stauden an ihrer Seite aushalten, die ebenfalls starkwüchsig sind und es mit ihr aufnehmen können. Geranium x magnificum (Pracht-Storchschnabel) kommt mir da in den Sinn oder auch Coreopsis verticillata (Quirlblättriges Mädchenauge).
Unbedingt ein Gewinn ist der Quirlblütige Salbei für Wildstaudenpflanzung
Wildstaudenpflanzungen:
Pflanzungen, die unter Verwendung von einheimischen und nicht einheimischen Pflanzen – keine Züchtungen – weitgehend sich selbst überlassen werden; der Gärtner greift nur gelegentlich ordnend ein. Eine Wildstauden-Pflanzung kann sich über den ganzen Garten erstrecken oder auf einzelne Bereiche beschränken.
oder für sonnige Gehölzränder. Sofern genügend Licht einfällt, ist er sogar zur Gehölzunterpflanzung geeignet. Er bevorzugt dabei Böden mit mäßigem Stickstoffgehalt.
Salvia verticillata (Quirlblütiger Salbei) – mit Echtem Mehltau
Wo ihr ein warmer, trockener Standort im Garten geboten wird, zieht Salvia verticillata von Juni bis September mit ihren purpurvioletten, quirlständigen Blüten die Insekten magisch an. Entsprechend stark versamt sie sich anschließend und der Rückschnitt von Verblühtem ist reiner Selbstschutz. Mehr Pflege braucht der Quirl-Salbei nicht. Zumindest meistens nicht. In manchen Jahren muss man sich jedoch mit Echtem Mehltau herumschlagen, der bevorzugt auf dem Neuaustrieb nach dem Zurückschneiden auftritt. Warum gerade Salvia verticillata? Nun, weil der Quirl-Salbei in allen Teilen weicher ist als viele andere Salbei-Arten; das ist für Mehltau-Pilze genau richtig. Wie Mehltau aussieht und was Sie vorbeugend und bei Befall tun können, erfahren Sie auf meinen Seiten "Ärger im Garten" unter Pilzkrankheiten.
Salvia verticillata (Quirlblütiger Salbei) mit Erdhummel
Bei so leidenschaftlicher Selbstaussaat und so viel Genügsamkeit sowie Durchsetzungsvermögen ist es nicht verwunderlich, dass Salvia verticillata in Deutschland inzwischen als eingebürgerter Neophyt gilt. Ursprünglich stammt sie nämlich aus dem Kaukasus. Unsere Wildbienen freuen sich über den Neuzugang: Die Maskenbiene Hylaeus difformis sowie die Gewöhnliche Schmalbiene (Lasioglossum calceatum) lagern in ihren Nestern Pollen unter anderem von Salvia verticillata als Futter für ihre Larven ein und versorgen sich selbst mit deren Nektar (siehe auch Wildbienen im Stauden-Garten). Noch ein Grund mehr für eine schöne, große Salvia-Verticillata-Ecke im Garten!
Wuchshöhe: | 40-60 cm |
Blütenfarbe: | zart lavendelblau mit purpurrosa |
Blütezeit: | Juni, Juli, August, September |
Lichtverhältnisse: | sonnig-halbschattig |
Bodenverhältnisse: | trocken |
Verwendung: | |
Hinweis: | eingebürgerter Neophyt; Pollenpflanze für Wildbienen |
Weitere Salbei-Seiten auf gartenfreud-gartenleid:
In Deutschland einheimisch Salbei-Arten für den Garten
Salbei für Küche und Hausapotheke
Salvia – Salbei
(Gesamtseite mit einheimischen und fremdländischen Arten sowie Salvia-Arten für Küche und Hausapotheke – elf Arten)